03. Alboloduy – Abla

Montag 09. April 2018   31.5 km

Beim Abendessen

Gestern Abend waren wir in der Bar zum Nachtessen. Man konnte sich eine Platte mit Tapas nach Wahl zusammenstellen lassen. Dazu noch Pommes und Spiegelei. Zum Trinken zwei Flaschen Rotwein und noch eine dritte nahm Alex in die Herberge mit. Mit dem Getränk vor dem Essen und dem Kaffee zahlte jeder 10 Euro. Die dritte Flasche leerten die andern zwei ohne mich. Ich legte mich lieber schlafen, denn ich wollte um sieben aufstehen, was ihnen aber sehr früh erschien.

Kurz nach sieben kletterte ich aus dem Etagenbett runter. Licht machte ich nur auf der Toilette und packte, so gut es im Halbdunkeln ging, zusammen. Langsam krochen auch Tom und Alex aus den Betten. Vermutlich gehen sie noch in die Bar zum Kaffee oder Frühstück. Ich verlasse die Unterkunft um zehn vor acht und quäle mich den steilen Weg hinab ins Dorf. Die Beschilderung macht noch einen unnötigen Umweg zu einer Information, bevor der Weg wieder ins Bachbett runter führt. In diesem laufe ich über vier Kilometer.

Alboloduy - Einfahrt ins Bachbett
Nach Alboloduy - Ausstieg aus dem Bachbett
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Dann verlässt der Weg das Bachbett und ein extrem steiler Pfad steigt den Berg hoch. Hier muss ich sogar mal den Allrad einschalten, das heisst auf allen Vieren. Als ich die ersten hundert Höhenmeter überwunden hatte, sah ich Alex im Anmarsch auf den Pfad. Da wusste Ich, dass er mich vor dem Erreichen des höchsten Punktes nicht einholen würde. In Serpentinen erklimme ich die Höhe. Oben folgt ein schmaler Bergpfad. Links fällt der Hang steil ab, recht weit runter. Bei Nebel oder Regen könnte es hier noch gefährlich sein. Später mündet der Weg in eine Strasse. Hier weht ein starker Wind und es war saukalt. In einer Nische unterhalb des Kulminationspunktes mache ich eine Pause und verpflege mich. Nebst der Chorrizo habe ich noch etwas altes Brot aus Almeria. Bei dieser Pause holt mich Alex ein. Er war nicht so begeistert von diesem Aufstieg. Auf der Strasse ging‘s dann nochmals einen Kilometer hoch und auf der selben wieder etwa gleichviel runter, bis der Weg abzweigte. Bald setzte er sich in einer Privatstrasse fort. Pilger dürfen diese aber benutzen. Es folgt ein extrem steiler Abstieg, das reinste Gift für die Waden und Knie. Tom, der mich vor dem Abstieg einholte, bewältigt diesen im Eilgang und bald ward er nicht mehr gesehen.

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Unten im Tal steht ein Wegzeichen mit der Aufschrift: 50 km. Diese sind hier ab Almería erreicht. Anschliessend führt der Weg wieder in ein Bachbett. 6 – 8 Meter hohes Schilf begrenzt es. In diesem gehts zuerst mal 6 km bis zum ersten Dorf dieser Etappe. Das Laufen hier ist anstrengend. Entweder grosse Steine, Geröll oder Sand und Kies. Man kommt schlecht vorwärts und der unebene Untergrund lässt die Beine schmerzen. In Nacimiento mache ich eine stündige Pause in der Bar. Alex war schon wieder aufgebrochen und Tom ging bald. Nach dem Dorf führt der Weg wieder zum Bachbett runter. Als ich mich auf eine Signalisation konzentrierte, blieb ich mit dem rechten Fuss an einem Eisendraht hängen. Das Stolpern musste ich mit dem linken, lädierten Bein auffangen. Ich stiess einen lauten Schmerzensschrei aus. Nach ein Paar Schritten setzte ich den Rucksack ab und nahm eine Schmerztablette. Die Schmerzen liessen dann etwas nach. Das Laufen hier blieb weiterhin sehr anstrengend und weitere Stolperer folgten. Zudem blies ein sehr starker, meistens kalter, Gegenwind. Zu sehen gab es auch nicht viel, die Uferböschung verhindert einen weiterreichenden Blick. Nicht gerade dass, was man sich wünscht. Langsam hatte ich die Schnauze voll von diesem Bachbett. Bei einem kleinen Dorfe führt der Weg heraus. Hier entschloss ich mich, die letzten Kilometer auf der Landstrasse zu laufen. Von der Distanz her ist es nur unwesentlich weiter und trotz des heftigen Gegenwindes war es mir hier angenehmer zu laufen. Gegen halb sechs läutet das Handy. Alex ruft an, um zu wissen, wie lange ich noch brauche. Er hat den Schlüssel von der Herberge. Ich bin nur noch ca. ein Kilometer von Abla entfernt und so verabreden wir uns bei der ersten Bar.

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Nach einem wohlverdienten Bier machten Tom und ich uns auf den Weg zur Herberge. Es war noch ein sehr langer und steiler Aufstieg. Ganz zuoberst liegt die Herberge. Sie hat zwei Schlafräume mit je sechs Betten. Sie überliessen mir das zweite Zimmer, damit ich am Morgen, ohne sie zu stören, früh aufstehen kann. Nach dem Duschen steigen wir wieder zur Bar runter. Zum Nachtessen assen wir uns durch die Tapaskarte und zwei Flaschen Rotwein sorgen für die Flüssigkeit. Zurück bei der Herberge liess sich die Türe nicht öffnen, bis sie von innen aufgemacht wird. Es ist der Hospitalero der heute Dienst hat. Wir plauderten noch ein wenig, dann zog ich mich zurück. Ich muss noch Tagebuch schreiben. Alex gab mir dann noch eine Voltaren-Tablette gegen die Muskelschmerzen. Ich solle diese unbedingt probieren. Sie beide tranken mit dem Hospitalero noch einen Wein und unterhielten sich noch bis nach Mitternacht.

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5 Antworten zu 03. Alboloduy – Abla

  1. Ich bin jetzt, 1.5 Jahre nach deinem Bericht auf dem Mozarabischen Weg. Ganz herzlichen Dank für deine lebendigen Beschreibungen.
    Und nun dachte ich, nach den anfänglichen beschwerlichen Wegen käme nun einfach eine relativ normale Strecke, aber jetzt bin ich gewappnet

    • Peter Müller sagt:

      Hallo Arno
      Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, wenn meine Berichte gelesen werden und weiterhelfen können. Läufst du bis Santiago de Compostela? Es würde mich freuen, am Ende deiner Reise eine kurze Nachricht zu erhalten, wie es dir ergangen ist.
      Buen Camino und lasse dir nicht von den Bachbetten die Reise vermiesen.
      Peter

  2. Peter Korrodi sagt:

    Sali Peter Danke vielmal für deinen Reisebericht. Ich bin begeistert und lese es gerne.Wünsche Dir noch eine schöne Zeit und viele liebe grüsse vom Hirzel

  3. Monika und Carsten Fritz sagt:

    Lieber Peter,
    beim Lesen bekommen wir sofort „Sympathie-Schmerzen“: aua, aua, aua!
    Wir wünschen Dir für die nächsten Tage bessere Wege. Nur Mut, das wird schon wieder!!!
    „Es gibt Berge, über die man hinüber muss, sonst geht der Weg nicht weiter.“
    Ludwig Thoma (1867-1921), Erzähler

    Liebe Grüße aus Gelsenkirchen
    Monika y Carsten

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