10 Laza – Xunqueira de Ambía

Mittwoch 20 Mai 2015           34.6 km

Das Thermometer bei der Apotheke zeigt 3° an. Zum ersten Mal auf diesem Weg ziehe ich die langen Hosen an. Bei der Protección Civil lege ich den Schlüssel von der Herberge hinter das geöffnete Fenster. Auf der Strasse laufe ich ein Stunde mehr oder weniger eben aus. Am Ortsausgang von Tamicelas beginnt der Aufstieg von 519 m auf 963 m. der mich bald zwingt die Jacke auszuziehen. Der Pfad führt zuerst durch Kiefernwald. Grosse Zapfen hängen an den Ästen. Allmählich wechselt es in die bereits bekannte Heidelandschaft. Der Weg ist anstrengend und führt viel über nackten Felsen. Hier sputet Paul mit seinem leichten Rucksack an mir vorbei. Nachdem die 895 m erreicht sind mündet der Pfad in eine Strasse ein. Diese führt nach Albergueria.

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Die dortige Pilgerbar fehlt in keiner Beschreibung dieses Jakobsweges. Ich erkenne es sofort beim Eintreten. An der Decke, den Wänden, den Säulen, überall hängen Muscheln. Alle mit einem Namen und Datum beschriftet. Jeder Pilger der hier einkehrt bekommt eine Muschel und verewigt sich darauf. Seit 2004 kam so eine riesige Sammlung zusammen. Vor der Bar macht sich ein junges Paar zum Aufbruch bereit. Es ist mir schon gestern bei der Herberge aufgefallen, weiss aber nicht, ob sie dort nächtigten. Er ist Engländer und sie eine Rumänien von vermutlich kaum 18 Jahren. Zusammen sind sie unterwegs mit einem Baby (ca. halbjährig); mit Rucksack und Kinderwagen und zwei Hunden. Ich treffe sie nochmals kurz nach dem Ort. Sie erreichen gerade eine Stelle, wo Wasser das Durchkommen erschwert. Wie ich später erfahre, mussten sie umkehren und den Weg über die Strasse nehmen. Bald danach holt mich Wilfried ein und wir laufen meistens zusammen. Das Schlimme am bergauf Laufen ist, dass man nachher wieder runter muss. Die Abstiege, besonders  wenn es steinige, unebene Wege sind, spürt man in den Oberschenkeln und lassen die Füsse schmerzen. Am Nachmittag ziehen schwarze Wolken auf. Eine 3.5 km lange schnurgerade Strecke war recht langweilig. Das einzig spezielle hier war, dass wir einige einzelne Regentropfen spürten. Es sollten die einzigen sein, die ich auf dem ganzen Weg hatte. In den Dörfern treffen wir die ersten Hórreos, die für Galizien typischen Kornspeicher.

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Beim letzten grossen Abstieg fotografiere ich die Echse Reto (ich benannte sie nach einem Politiker, der sich ähnlich verhielt).  Sie rennt vor die Linse und setzte sich in Pose, während ich die Bienenstöcke fotografieren will. In der Herberge von Xunqueira de Ambía sind alle unteren Betten bereits belegt von solchen die heute nur eine kurze Strecke liefen. So müssen wir eines der wenigen freien Betten oben beziehen. Pilger die später eintreffen können vermutlich nicht mehr aufgenommen werden. Nach dem Duschen gehe ich gleich ins Dorf. Wäsche waschen entfällt heute. Es ist mir zu kalt dazu. In einer Bar schreibe ich Tagebuch.

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Als Zugabe zum warmen Kakao gibts noch eine feine Suppe. Zum Abendessen treffen wir  üblichen fünf uns wieder in einer andern Bar. Es wird das letzte Mal sein. Morgen in Ourense hänge ich einen Ruhetag an.

 

10 Laza - Xunqueira de Ambía
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